Für mich war er immer ein grosser Spieler. Und sein Freistoss gegen Österreich war ein Hammergeschoss, egal, ob er von einem Buffon vielleicht doch gehalten worden wäre. Michael Ballack war der Inbegriff eines modernen Mittelfeldspielers. Elegant, mit Übersicht und Abschlussqualitäten wie kein Zweiter, stark mit beiden Füssen UND dem Kopf. Und für seine Tore brauchte er nicht mal besondere offensive Freiheiten. Er war einfach plötzlich da. Und dies immer als Mannschaftsspieler, der sich nicht zu schade war, auch defensiv zu arbeiten.
Doch nun, zumindest in meiner Betrachtung, ist der Lack ab. Natürlich ist es tragisch, dass Ballack nun, glaube ich, zum neunten Mal Zweiter geworden ist, also noch keinen Pokal gewonnen hat, trotz so herausragenden individuellen Qualitäten. Und vielleicht war Ballack ja für den Final auch tatsächlich nicht fit. Dennoch war sein Auftritt eine Zumutung und eine Selbst-Demontage des eigenen Nimbus:
Keinem anderen Spieler wurden so viele Bälle vom Gegner abgenommen – und keiner griff selbst so oft zu schmutzigen Fouls. Dazu kommt, dass Ballack, Kapitän hin oder her, die ganze EM über durch unablässiges Reklamieren beim Schiedsrichter aufgefallen ist. Und nicht unbedingt dem Image förderlich ist auch der Schubser, mit dem er sich vor seinem Kopfballtor gegen Portugal freie Bahn verschafft hat.
Winning ugly – das mag nicht nur nach Brad Gilbert im Tennis in der heutigen Gesellschaft salonfähig geworden sein. Aber wenn Du am Ende zweiter Sieger bleibst, wendet sich das Blatt gern gegen Dich.
Herr Ballack, sie bekommen ein Image-Problem.
Darüber schreibt auch tou.ch