Juni 15, 2008...11:35

Die Stinkstiefel vom SF

Zu den Kommentaren

Die Schweiz ist an der EM nach zwei Spielen ausgeschieden. Das wissen wir seit Mittwoch. Vier Tage lang hatte das Schweizer Fernsehen Zeit, das Ausscheiden zu bilanzieren. Viel mehr als die Bekräftigung, dass die Schweizer Mannschaft mit einem engagierten Auftritt für einen positiven Abschluss sorgen solle, hat man dabei nicht erfahren.

Dafür benutzt dann just das Schweizer Fernsehen den Tag dieses Spiels dazu, um die negative Bilanz zu ziehen. Vom letzten Spiel ist bis halb neun überhaupt nicht die Rede. Bis dahin erfährt der Zuschauer nicht, wie die Schweiz spielen wird, geschweige denn die Portugiesen. Und über die Ausgangslage und die Aufstellungen im zweiten Spiel zwischen der Türkei und Tschechien erfährt man kein Sterbenswörtchen. Würden wir ähnliches im deutschen Fernsehen erleben, würden wir uns über den Chauvinismus und die Arroganz der Deutschen auslassen.

Dafür reden Kommentator Thurnheer und der Experte Finke dann eine höchst uninspirierte erste Halbzeit goldig, dass man sich wundern mag, welches Spiel die Herren verfolgen.

Darauf folgt eine zweite Halbzeit, die es in sich hat und am Schluss stelllt sich der Abschluss ein, den sich alle für Kuhn und sein Team gewünscht haben. Statt den Moment nun so zu belassen, dreht Stinkstiefel Hüppi den immer gleichen Looping weiter. Er betont, dass der Moment so positiv jetzt stehen bleiben soll, um danach gleich wieder auf die negative Schlussbilanz zu kommen.

Was soll das? Der Kollege Sutter neben ihm hätte sich als Spieler Sutter über den Kommentator Hüppi mit gutem Recht ärgern können. Jetzt bläst er ins gleiche Horn – ein anderes wird ihm gar nicht angeboten, und vielleicht fehlt ihm auch der Mut. Er begibt sich in den bequemen Schoss, der sich allen sog. Journalisten im Sport immer wieder anbietet: Sie müssen ihren Senf erst dann dazu geben, wenn das Resultat bekannt ist.

Übrigens: Die Türkei hat – nach 0:2 Rückstand – das Spiel gedreht und 3:2 gewonnen. Nicht zuletzt, weil der beste Torhüter der Welt einen Ball fallen gelassen hat, den er im Training hundert Mal im Halbschlaf festhalten würde – und im Ernstkampf für den Rest seiner Karriere auch. Die Türken mögen engagiert gekämpft haben – ohne diesen Fehler hätten sie das Spiel wohl verloren.

Fussball ist kein mathematisches Phänomen. Man kann am Schluss immer argumentieren, ein Sieg wäre verdient oder auch nicht. Es fallen dann so empirisch nachweisbare Weisheiten wie: Die Mannschaft A hat den Sieg “mehr gewollt”. Es ist einfach grosser Quatsch. Vor allem dann, wenn man eine scheinbare Weisheit und Erkenntnis bis zum Erbrechen wiederholt, als wollte man sie ganz sicher ad absurdum führen.

Ich freue mich, wenn mal wieder einer vom fehlenden Wettkampfglück spricht – und sich der nächsten Aufgabe zuwendet. Denn das schönste am Fussball ist immer die Tatsache, dass die nächste Meisterschaft, das nächste Turnier bestimmt kommt.

Leider auch für die Journalisten des Schweizer Fernsehens, die am wenigsten Konkurrenzdruck von allen Beteiligten verspüren dürften. Meiner Meinung nach ist das ihrer Leistung anzumerken.

Dass die Schweizer Funktionäre noch weniger Konkurrenz kennen und auch dies sich auswirkt, ist auch richtig. Dass sie sich dieser Zerfleischung am letzten Spieltag selbst allerdings verweigerten, kann ich sehr gut verstehen.  Irgendwie ist das schon fast wieder souverän.

2 Kommentare

  • Sie reden mir aus der Seele. Ich hab’ gestern eine Antwort auf “Hüppis” Blog “Chom bring en hei” auf der SF- Seite geschrieben. Meine Antwort wurde natürlich nicht veröffentlicht. Die sogenannte “Netiquette” gilt scheinbar eben nur für Otto-Normalbürger und nicht für Hüppis und Konsorte.

    Ich muss das jetzt einfach mal loswerden.
    Bestimmt ist an dieser EM und im Vorfeld nicht alles so gelaufen, wie man es gerne gesehen hätte. Aber ist auch nicht alles nur schlecht, so wie es von Hüppi dargestellt wird. Viele weit bessere Teams (mit viel grösserem und “besserem” Kader) bekunden grosse Mühe und etwas Glück gehört eben trotz allem auch dazu.
    Aber ein Hüppi, der ohne altgediente Stars ja gar nicht mehr kommentieren kann, scheint sich an dieser EM auf irgend einem Feldzug zu befinden. Gegen wen und was auch immer. Seit 2 Jahren “ginggt” er jedem aus dem CH-Nati-Team immer und immer wieder ans Bein und wundert sich dann, wenn ihm keiner mehr ein Interview geben will. Alles redet er schlecht (sogar die Tore und gute Leistungen anerkennt er nur widerwillig, ) weiss alles besser und hätte alles besser gemacht. Jeder positive Satz endet mit einem “Aber” und in einem Interview , verbeisst sich in seine “Gegner” wie ein tollwütiger Hund. Fragt zehnmal dasselbe und kann eine Antwort nicht einfach als Antwort stehen lassen.
    Niemand hat etwas gegen eine faire und sachliche Kritik, aber was Hüppi da seit 2 Jahren veranstaltet ist schlicht und einfach voll daneben.

    Am meisten aber schmerzt mich, dass man als Zuschauer am Schweizer Fernsehen das Gefühl vermittelt bekommt, Hüppi hätte die Mannschaft wohl lieber verlieren sehen, damit er sich in seinen Kommentaren bestätigt fühlen kann.

    Vielleicht übernimmt der unfehlbare Hüppi ja unsere Nati. Mit seiner Allwissenheit und seinen hellseherischen Fähigkeiten, ist es für ihn sicher ein leichtes die Schweiz zum WM-Titel zu führen.

    Für mich gilt auf jeden Fall weiterhin HOPP SCHWIIZ

  • Verena, ich danke Ihnen. Ganz offensichtlich stehe ich mit meiner Wahrnehmung nicht allein da.
    Man sollte die Kirche im Dorf lassen und anerkennen, dass es für uns kleinere Fussballnationen immer etwas Besonderes bleiben wird, an einem Endturnier punktuell überraschen zu können – und sich dann einfach darüber freuen, wenn mehr daraus wird.

    Hüppi wird derweil vor Begeisterung wieder fast das Mikrofon verschlucken, wenn ein Skifahrer im Winter in die ersten zehn fährt…

    Am Ärgerlichsten an der ganzen Situation ist für mich, dass dadurch die oft berechtigte Kritik an der Verbandsführung ein Stück weit verpufft, weil sie eben diesen subjektiv gefärbten Touch hat und damit zu leicht abgestreift werden kann.


Einen Kommentar schreiben